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Corporate Newsrooms sind in der Schweiz angekommen – das Silo-Denken bleibt

19. Aug.
2 Min. Lesezeit

Eine neue Studie zur Schweizer Unternehmenskommunikation zeigt, dass sich Corporate Newsrooms als Organisationsmodell etabliert haben. Gleichzeitig zeichnet die Studie eine überraschende Grenze: Organisatorische Silos verschwinden durch Newsroom-Strukturen nicht automatisch.



Rund 70 Prozent der für die Corporate Newsroom Studie 2026 befragten Kommunikationsverantwortlichen und -expert:innen arbeiten in Organisationen mit Newsroom-Strukturen oder vergleichbaren Modellen. Damit ist der Ansatz, der sich an journalistischen Newsrooms orientiert, heute in der Schweizer Unternehmenskommunikation breit angekommen.


Ein einheitliches Modell gibt es allerdings nicht. Die untersuchten Newsrooms unterscheiden sich hinsichtlich Grösse, Aufbau und organisatorischer Einbindung. Im Durchschnitt bestehen sie seit 4,4 Jahren, die meisten Teams umfassen maximal zehn Personen. Häufig funktionieren Newsrooms weniger als zentrale Steuerungseinheiten, sondern vielmehr als Koordinationsmechanismen für die Kommunikation.


Aus den Studien-Ergebnissen lassen sich trotz der unterschiedlichen Newsroom-Modelle sechs zentrale Handlungsempfehlungen für die Praxis ableiten:



Vorteile im operativen Geschäft


In vier Bereichen zeigen sich Unterschiede zwischen Organisationen mit und ohne Newsroom. Befragte aus Newsroom-Organisationen schätzen ihre Reaktionsfähigkeit auf Trends und Krisen, ihre Medienpräsenz, die Kosteneffizienz und die Themensteuerung besser ein.


Die Studien-Ergebnisse sprechen damit für operative Vorteile des Modells. Allerdings gilt es zu erwähnen, dass die Angaben zur Leistungsfähigkeit auf Selbsteinschätzungen der Befragten beruhen und entsprechend die wahrgenommene Leistungsfähigkeit der Kommunikationsorganisationen abbilden.



Neue Strukturen beseitigen alte Silos nicht


Überraschend ist der Befund zum Silodenken. Dessen Abbau gilt als eines der zentralen Ziele von Corporate Newsrooms. Die Studie findet hier jedoch keinen deutlichen Unterschied: Befragte aus Organisationen mit und ohne Newsroom berichten ähnlich häufig von Silodenken.


Eine neue Organisationsstruktur allein reicht demnach nicht aus, um bestehende kulturelle und organisatorische Grenzen zu überwinden. Die Studienergebnisse unterstreichen vielmehr die Bedeutung von Rollen, Prozessen, Führung und Unternehmenskultur. Agile Rollenmodelle erweisen sich dabei als wichtiger Hebel für die wahrgenommene Wirkung.

Was ist aus deiner Sicht der wichtigste Hebel, um Silos in der Kommunikation abzubauen?

  • Klare Rollen und Verantwortlichkeiten

  • Gemeinsame Prozesse und Themensteuerung

  • Führung und Unternehmenskultur

  • Eine passende Organisationsstruktur


KI: hohe Offenheit, wenig strategische Verankerung


Ein ähnliches Spannungsverhältnis zeigt sich beim Einsatz künstlicher Intelligenz. Die befragten Kommunikationsabteilungen stehen KI grundsätzlich sehr positiv gegenüber. Spezifische Ressourcen werden dafür jedoch deutlich seltener bereitgestellt. Anwendungen wie ChatGPT, Perplexity oder Microsoft Copilot werden entsprechend häufig explorativ und situativ eingesetzt, während strategische Governance-Strukturen vielerorts noch fehlen.


Insgesamt zeigt die Studie damit ein differenziertes Bild: Corporate Newsrooms sind in der Schweiz etabliert und gehen mit operativen Vorteilen einher. Ihre Wirkung hängt jedoch nicht allein von der Organisationsstruktur ab. Entscheidend ist, wie Rollen, Prozesse, Führung und Kultur ausgestaltet werden.




 
 
 

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